Sie befinden sich aktuell in den Blog der Strategien des [E-Mail] Schreibens Blog-Archiven für den folgenden Tag 29.1.2010.
29.1.2010 von Gerald Fründt.
Alle Karten auf den Tisch, könnte ich rufen! Im manager magazin 2/2010 finde ich abgedruckt eine E-Mail aus dem Unternehmen Siemens. Die E-Mail einer Führungspersönlichkeit, das Eldorado eines Linguisten! Und der Steinbruch, aus dem die 111-E-Mail-Regeln entstanden sind und das Feld, dessen Ernte der Quiz “Sind Sie ein E-Mail-Profi” (siehe manager-magazin) ist.
Aber langsam, ich werde hier in meinem Blog “Schreib-Strategie” diese E-Mail sezieren, und zwar mit Genuß!
Zu der Schreibweise: [I.] - Klammern geben den Schritt an, es folgt das Material der E-Mail und dann mein Kommentar.
Viel Spaß!
[I.] Von: Neubuerger Heinz-Joachim
01. Der Name des E-Mail-Verfassers und -Absenders wird (von der Software her) großgeschrieben, ein klarer Gegensatz zu der später genutzten Kleinschreibung im E-Mail-Text
Frage:
Warum Großschreibung in Software, warum Kleinschreibung im Text?
[II.] Gesendet: Mittwoch, 9. Februar 2005 20:00
02. E-Mail wird mitten in der Woche geschrieben und verschickt
03. Uhrzeit = irgendwie außerhalb der üblichen Arbeitszeiten, später am Tage, aber noch nicht zu spät!
[III.] An: Schaefer Albrecht (CP W)
04. Der Name des E-Mail-Empfängers wird (von der Software her) großgeschrieben, dramatischer Gegensatz zu der Kleinschreibung in der Anrede!
Wiederholte, drängender werdende Frage:
Warum Großschreibung in Software, warum Kleinschreibung im Text?
[IV.] Cc: Radomski Juergen; Hobeck Paul; Thomas Ralf
05. Auch die Namen der Kopie-Empfänger (cc.) werden (von der Software her) großgeschrieben, allerdings ist der Gegensatz zu der späteren Kleinschreibung eher schwach, da die Namen in der E-Mail nicht aufgegriffen werden.
06. Welche Gründe gibt es für diese Kopien? Wer sind die Herren, welche Funktion haben sie und vor allem: was sollen sie mit dieser Information anfangen, wie mit ihr weiterarbeiten. Da Gründe nicht aus dem E-Mail-Text herausgelesen werden können, ist jeder Grund möglich, also auch ein Nicht-Grund wie Steigerung der E-Mail-Flut.
[V. ] Betreff: hr. cromme
07. Abkürzung wird genutzt; abgekürzt wird das Hauptwort „Herr“, welches unterschiedliche Bedeutungen hat:
Bedeutung 1: ein im Urteil des Schreibers gebildeter Mann
Bedeutung 2: ein im Urteil des Schreibers gepflegter Mann
Bedeutung 3 in Verbindung mit Attributen: jemand, der über andere oder über etwas herrscht.
Bedeutung 4: Christliche Religion
Frage:
Warum wird ein so wichtiges Wort erstens kleingeschrieben und zweitens abgekürzt, welchen Eindruck will man bei dem Leser machen?
08. Aussage, die im „Betreff“ durch den Absender der E-Mail festgelegt wird: Diese E-Mail dreht sich um eine bestimmte Person mit Namen „cromme“ - und deren Name schreibe ich ebenfalls klein.
09. Anklänge an juristische Sprachformeln sind erkennbar: In Sachen Cromme – und schon deutet sich ein „Fall“ an und schon hat sich eine Beurteilung hineingeschoben, die irgendwann nach einem Urteil ruft.
10. Funktionierendes Betreff wäre möglich gewesen: Bitte mit Herrn Cromme sprechen!
Was verändert sich in der Aussage?
Die E-Mail geht in eine ganz andere Richtung – der Empfänger hätte auf einen Blick gesehen, was zu tun ist, und hätte in der E-Mail nach einer plausiblen Begründung für dieses Gespräch gesucht, sein Lesen wäre ziel-gerichtet gewesen!
Und gleichzeitig hätte man durch die Schreibung „Herr Cromme“ auch eine gewisse Achtung oder Höflichkeit gegenüber dem anderen gezeigt.
Das wäre es doch gewesen
…..
[VI.] …. hier geht es demnächst weiter ….. Danke!
Geschrieben in E-Mail-Praxis, Siemens, ManagerInnen, Intern, Unternehmen, E-Mail | Drucken | Keine Kommentare »