Infos

Sie befinden sich aktuell in den Blog der Strategien des [E-Mail] Schreibens Blog-Archiven für den folgenden Tag 10.2.2010.

Februar 2010
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
1234567
891011121314
15161718192021
22232425262728

Archive für 10.2.2010

Interne E-Mail-Analyse Siemens (4)

…. Sonnenallee war gut gestern, heute werde ich dann auch wieder dort sein, aber zwischenzeitlich die Fortsetzung ….
und ich muss die nächsten Schritte für den Satz VIII. machen!

[VIII.] im anschluss habe ich unter 4 augen herrn c. (….) ihre aussagen in der letzten pa-sitzung zu compliancethemen und meine ergaenzenden ausfuehrungen informiert.

24. Hätte, wäre, würde, darf es in der Wirtschaft (Siemens)-E-Mail nicht geben ……

Hätte man den Satz mit [ich] angefangen, hätte man auf diese Geschichte „unter 4 augen“ verzichten können. Das kann möglicherweise aber nicht die Absicht sein, warum nicht?
Zunächst bemerkenswert ist die Schreibweise [4] – eine Zahl, die nicht ausgeschrieben wird, wie es die Rechtschreibung, auch die neue vorsieht. Herr Neubürger riskiert hier unterschiedliche Möglichkeiten:

(a) In E-Mail schreibt man stets hastig, gehetzt und weil das viel mit SMS zu tun hat, deswegen [4] und nicht „vier“. Aber wenn man in Eile ist – warum verzichtet man nicht auf die ganze Formulierung, wie eben gezeigt?

(b) Der wirtschaftliche Kontext muss erwähnt werden, also echte Zahlen, Nüchternheit, Klarheit. Möglich, dass „unter vier Augen“ eine zu große persönliche Nähe darstellt. Und vielleicht möchte man genau diesen Eindruck nicht erwecken, es menschelt zu sehr.

( c) Mit der Nüchternheit wird aber noch eine weitere Sache hervorgehoben – bei diesem Gespräch gab es keine Zeugen! Und das hat Konsequenzen für die gesamte E-Mail: Nur ich, der Autor entscheide über das, was wie zu schreiben ist, was hinzu zufügen ist, was wegzulassen ist. Man muss sich notwendigerweise auf mich verlassen, ich kenne die Wahrheit! Zahlen sind unbestechlich.
Aber das ist doch alles gar nicht relevant, könnte man jetzt sagen. Eben! Trotzdem wird es geschrieben.

25. Satzstruktur irgendwie kompliziert

Angedeutet habe ich es schon, irgendwie kompliziert dieser ganze Satz. Wer das Subjekt ist, einfach [ich = der Schreiber, der E-Mail-Absender).
Wer das Objekt ist, ebenfalls einfach, nämlich der Herr Cromme. Aber der steht da nicht in dem Satz, sondern [herrn c.]. Wieder die Kleinschreibung wie in dem vorhergehenden Satz, nun wird aber der Name abgekürzt. Die Logik könnte sein, dass der Name im vorausgehenden Satz ja genannt ist, die Leser folglich wissen, wer gemeint ist und man deswegen die Zeit sparen kann. Allerdings wird der Name im übernächsten Satz wieder ausgeschrieben, also kann es das Argument der Ökonomie nicht sein. Schade.
Eine Erklärung für das abgekürzte c., also in der nicht vollen Sichtbarkeit des Namens, könnte dieses [unter 4 augen] sein, und der dort erkennbare Versuch der Nüchternheit. Oder das Fehlen der Zeugen, weil man ja irgendwie das juristische Sprachfeld im Hinterkopf hat. Und wenn man in der Öffentlichkeit über juristische Sprachfelder schlendert, und eine Person taucht auf, dann taucht diese nur noch mit ihrem Initial auf.

26. Prädikate spielen mit Fäden ….

Das Prädikat des Satzes [habe informiert] ist im Tempus identisch mit dem vorangehenden, aber in der Bedeutung wird eine Alternative eingeführt. Obgleich sich das „briefing“ fortsetzt, wird es nun mit dem Etikett „informieren“ versehen. Erklärbar ist dieses nur über den immer offensichtlicher werdenden Wechsel von dem Manager-Sprachfeld in das Juristen-Sprachfeld. Warum wechselt Herr Neubürger?

Von dem Prädikat abhängig sind zwei durch ein [und] abgetrennte Satzglied-Komplexe.
Satzglied-Komplex 1: [ihre aussagen in der letzten pa-sitzung zu compliancethemen]
Satzglied-Komplex 2: [meine ergaenzenden ausfuehrungen].
Das [und] zeigt es an: hier baut sich etwas zusammen auf und wird irgendwie groß.

Zunächst Satzglied-Komplex 1: die auffallende Stellungsvariation setzt sich fort. Wieder wird nicht die eindeutige Stellung der Satzglieder gewählt, sondern sie werden vertauscht. Wäre es um Eindeutigkeit und Transparenz gegangen, hätte man den Komplex so aufbauen müssen:
[über ihre aussagen zu compliancethemen in der letzten pa-sitzung]

Dem Schreiber scheint die [pa-sitzung] noch ziemlich präsent zu sein, er hört quasi noch die Aussagen, er ist ganz in der erlebten Situation [ = pa-sitzung] und verliert in diesem Schwung aus den Augen, worauf sich die Aussagen bezogen. Also, der Inhalt ist – wie die Stellung zeigt – drittrangig, erstrangig ist das Reden, dann die Sitzung.
[sitzung] ist eher juristisches bzw. Verwaltungs-Sprachfeld, als Manager-Sprachfeld. Dort hätte man von PA-Meeting gesprochen.

…. alles klar, was hier geschehen lassen wird? Ich muss wieder, aber weiter geht es demnächst genau an dieser Stelle!

P.S. Von dem angesprochenen Unternehmen habe ich noch keine E-Mail bekommen!

|