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18.2.2010 von Gerald Fründt.
Irgendwer scheint da den Hebel umgelegt zu haben: “eine maximale Verständlichkeit gegenüber unseren Kunden zu erreichen” - das will man, das wird zitiert und ein echte Herausforderung für die E-Mail-Praxis.com
“gegenüber” - wird in der Grammatik als eine modale Präposition geführt, sie bezeichnet die Art und Weise von etwas genanntem.
Beispiele:
Gegenüber den Vorjahren hat sich der Verkehr gebessert.
Ihren Eltern gegenüber hat sie ihre Situation anders geschildert.
“Verständlichkeit” - eine Substantivierung ( + keit) aus dem Adjektiv “verständlich” mit diesen beiden Bedeutungen:
= etwas ist so beschaffen, dass es leicht zu begreifen ist, in Sinn und Bedeutung leicht zu erfassen ist.
= etwas ist so beschaffen, dass man Verständnis dafür hat, dass man die Gründe und Ursachen einsieht.
Ich vermute, gemeint ist die zweite Variante - und nun fangen die Herausforderungen an!
1. Ein Verständnis bekommt man, oder man bekommt es nicht. Gründe oder Ursachen sieht man ein, oder man sieht sie nicht ein. Ein Maximum (”maximal”) ist bei einem Entweder-Oder nicht passend, aber es passt zu der bedeutungsentleerten Management-Sprache. Man kann sich das Meeting so richtig vorstellen, “eine maximale Verständlichkeit brauchen wir” - und niemand merkt, dass die Verständlichkeit schon wieder einen mitbekommen hat.
2. Durch die Substantivierung wird “Verständlichkeit” bereits als Eigenschaft bzw. Zustandsbezeichnung festgelegt. Die Bahn besitzt also bereits den Zustand der “Verständlichkeit”, nur maximal ist er noch nicht. Manager denken gern in Zuständen und Prozessen, die man nur zu “kommunizieren” hat.
Allerdings zeigt die Alltagserfahrung einen befremdenden Zustand:
Wegen Verzögerungen im Betriebsablauf verspätet sich der ICE 007 um 30 Minuten, wir bitten um Ihr Verständnis.
Das tut mir leid, ich verstehe die “Betriebsabläufe” nicht, ich verstehe ja schon die Wort-Komposition “Betrieb” + “Abläufe” nicht. Wenn ich das nicht verstehe, kein Verständnis, das tut mir leid.
3. “Gegenüber” - man kann über die Verwendung dieser Präposition so lange nachdenken, bis das Unbehagen verblasst. Aber das wollen ja genau die, die sich solche Verwendungen ausdenken und für die das “Sinn macht”.
Unsinn!
Nochmal zurück zu der “Verständlichkeit”. Zu dieser Wort-Familie gehört nämlich das Verb “verstehen”, und in einem sinnvollen Satz genutzt: “ich verstehe ja die Bahn-Manager!”. Das ist aktiv, Aktiv! Wechsele ich jetzt in das Passiv, die Erleidens-Form, heißt der Satz: “Die Bahn-Manager werden ja …. von mir …. verstanden.” Da ist jetzt eine Präposition mit einem Dativ im Rennen. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und bringe diesen Satz:
“Die Bahn-Manager werden ja …. für mich …. verständlich.”
Alles klar?!
Bei dem Satz “die Bahn-Manager werden gegenüber mir verständlich” steckt doch zu sehr die eigentlich unverbesserliche Position der Bahn-Manager-Sprache - was man “erreichen” möchte, ist die sanfte Gewöhnung der Kunden an das, was bereits ist.
Vielleicht hier und da ein paar Anpassungen im Ablauf, aber im “Betriebs-Kern” unveränderbar: “eine maximale Verständlichkeit gegenüber unseren Kunden zu erreichen”.
Sprache ist immer ehrlich …..
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