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E-Mail & Ethik in der Wirtschaft
Dieser Eintrag stammt von Gerald Fründt Am 23.8.2010 @ 09:42 In E-Mail-Praxis, Kultur, Unternehmen, Dialog-Kultur | Keine Kommentare
Anmerkungen (Fragment) zu einem Interview mit Herrn Judt in der ZEIT, 12. August 2010
Zentrale Aussage von Herrn Judt: “Wir brauchen eine ethische Weltsicht.”
1. Zwar bezieht sich diese Forderung primär auf die heutige Politik, er macht aber auch deutlich, dass die Politik nicht von Wirtschaft zu trennen ist. Gefragt, warum er denn seine Kritik für relevant hält, antwortet er:
“Ich hatte seit Langem den Eindruck, dass wir den Kontakt zu der Sprache verloren haben, in der wir früher über Politik - über öffentliche Güter und die Rechtfertigung öffentlicher Ausgaben - gestritten haben. Wir haben aufgehört, wie eine Gesellschaft zu denken, und stellen uns stattdessen als ein Bündel individueller Interessen dar.”
Gerade der letzte Satz ist übertragbar auf die Kommunikation, das bedeutet, der letzte Satz ist anwendbar auf die Sprach-Verwendung in der internen Kommunikation und in der externen Kommunikation von Unternehmen, der Wirtschaft, der Lobbyisten, der Parteien, der Politik.
Und jede E-Mail ist verwendete Sprache ist Kommunikation.
2. Die ZEIT fragt, ob unsere Gesellschaften in einer Legitimationskrise stecken.
“Ja, aber was genau wird denn als illegitim empfunden? Autorität per se? Konventionelle Parteipolitik - die ideologisch vor einem Jahrhundert konstruiert wurde, jetzt aber ohne dieses Gedankengerüst dasteht? Das Wirtschaftsleben - aus dem Fairness und Gleichheit vertrieben wurden durch Versagen bei der Regulierung der Märkte? Ich akzeptiere zwar nicht die Sicht, dass wir “die Barbaren vor den Toren brauchen”. Aber die Existenz der kommunistischen Ideologie war eine Mahnung, dass es auf die Sprache ankommt, die unseren Entscheidungen Grund, Form und Richtung gibt. Nach 1989 ist das Bewusstsein dafür geschwunden. Darum glaube ich, dass wir mehr als irgendetwas anderes eine neue Art brauchen, über Politik zu reden.”
Ergänzen muss man aus dem gesamten Gedankengang heraus, dass es natürlich auch in der Wirtschaft und den Unternehmen auf die Sprache ankommt, mit denen Entscheidungen einen Grund, eine Form und eine Richtung bekommen. Und ergänzen muss man auch, dass es eine neue Art braucht, über Wirtschaft und Unternehmen zu reden, und ein Anfang ist zu machen bei der winzig kleinen E-Mail, intern, extern, wohin auch immer. Denn hier zeigt sich, dass die Entscheidungen auf sprachlich schwachem Grund stehen, dass die Entscheidungen eine schwache unzureichende sprachliche Form haben, und dass ihnen sprachliche die Richtung fehlt.
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