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Mai 2012
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Archiv der Kategorie impulse

Burnout

Wie gehe ich wertschätzend mit Burnout-Symptomen um? - so die Ankündigung für ein Webinar.

Wer ist das gemeinte “ich” - völlig im Nebel!
Wie geht das, das “umgehen mit Symptomen” aus dem Quasi-Nebel heraus?
Was ist “wertschätzend”, den Wert einer Person einschätzend oder eine Person als “wert” einschätzen. Warum fühlt man denn nicht dieses Vereinnahmen! Warum nicht!
Klar, im Zentrum steht ja das “Burnout”, wer “out-burned” ist, ist irgendwie “ent-wertet”, ihr oder sein “Ich” verschwindet im Nebel.

Was hier eigentlich los, auch mit dem Schreiben, fragt sich Ihr G. Fründt aus der E-Mail-Praxis.com

Auf dem Weg zum SEMANTISCHEN kundenservice - Kosten sparen

Was ist denn nun los?

Ja, ich bin ein zahlendes Mitglied bei XING. Ja, irgendwie gehört XING auch zu Social Media. Ja, es hilft, es hilft die Dinge im Auge zu behalten, die sich so bewegen im Markt!
Und in das Auge springt mir dieser Titel: Auf dem Weg zum semantischen Kundenservice - Hält der Mittelstand damit Schritt?

Nein, der Bogen ist überspannt!
Nein, es kann - bitte glauben Sie mir das, ich flehe Sie an und Sie sparen enorm viel Zeit und Geld - nein, es kann keinen “semantischen Kundenservice” geben.
Die Semantik, von der das Eigenschaftswort (Adjektiv) hergeleitet wird, ist einfach gesagt die Wissenschaft von der Bedeutung.
Und gerade die Bedeutung soll hier irgendwie käuflich gemacht werden, im wahrsten Sinne des Wortes!

Nein, ich habe keine Lust auf einen Kreuzzug gegen die Sprachdummheiten, die aus kommerziellen Gründen auf den Markt geworfen werden.

Aber was soll ich tun?????????
Gerald Fründt
Klar-Schreiben.de

Ein Impulse-Artikel

Re: Nächstes Impulse … verpufft irgendwie, finde ich schade

Liebe Frau G.,

auf die Gefahr hin, dass wir nie wieder etwas miteinander zu tun haben, auch nicht per E-Mail, der Artikel “Achtung, die Flut kommt”, nein, der kann nun wirklich keine Impulse setzen!
Er bleibt oberflächlich, da nur eine Technologie nach der anderen präsentiert wird, und dieses in dem Best-Practice-Modus nach dem Motto, alles wird gut!
Auf der anderen Seite stehen die dramatischen, schlagzeilenträchtigen Szenarien:
E-Mail freie Tage (wie geht das denn dann bei Twitter, Facebook, Xing usf.)
80% beherschen ihr E-Mail-Programm nicht (und Twitter, Facebook, Xing usf.)
Und wenn die E-Mail selbst keine Schlagzeile mehr her gibt, dann wird sie fix zum Synonym für “Daten” (wir produzieren inzwischen so viele Daten …. Atos Origin) oder für “Information” oder für “Auftragsvolumen”.

Impulse geben würden diese Gedanken:
- Die Wirtschaft hat noch nicht realisiert, dass sich ihre innere Kultur von einer oralen zu einer literalen verändert hat. Kein Wunder, das Management hat ein traditionell riesiges Problem mit dem Schreiben! Man schwätzt, aber schreiben ….
- Was heißt das, “literale Kultur” in den Unternehmen? Sherry Turkle bringt es in einem ZEIT-Interview auf den Punkt: “Ich texte, also bin ich.” Nur wenn man E-Mail, Twitter, Facebook, Xing usf. intensiv be-schreibt, IST man - in den Unternehmen!
Das wäre mal ein Impuls, Mensch, die Texte sind es!
- Und dann kommen die Texte in den Blick, die so unterwegs sind - und Herr zu Guttenberg taucht auf….
- Und dann taucht die Qualität der Texte auf, wenig Information, vieles literales Geplapper (die sogenannte phatische Funktion einer Äußerung bei R. Jakobson), in dem es nur noch um das Plappern geht….
- Und dann taucht PISA auf, wie schaut es denn aus mit dem Lesen&Verstehen in den Unternehmen, in der Wirtschaft, wenn es doch nur darum geht, die eigene Sicht durchzusetzen und andere, abweichende, kritische effizient auszublenden ….

Und jetzt habe ich mich verschrieben und überschrieben …. Das E-Mail Problem der Hamburger Autovermietung ist das Problem der externen Kommunikation - und sollte als solches behandelt werden. Es ist nämlich guter Brauch, externe E-Mails irgendwie zu ignorieren oder keine Prozesse für diese zu haben oder …..

Sherry Turkle gibt in dem Interview einen wichtigen Hinweis:
“Was hilft, ist die Identifizierung unserer Schwachstellen. Deshalb spreche ich auch nicht von Sucht. Es geht nicht darum, einen “kalten Entzug” zu machen und die Geräte wegzuwerfen. Die Gefahr geht ja von einem unausgewogenen Verhältnis aus - wer das einsieht, kann daran arbeiten, ihnen weniger schutzlos ausgeliefert zu sein.”
Und etwas weiter in dem Interview wird der Hintergrund deutlich, warum sie das so fordert: “E-Mail ist mein wichtigster Kommunikationsweg.”

Nocheinmal, die Leute in der Wirtschaft haben verstanden, nur wenn sie texten, sind sie (!) - das ist das Problem! Eigentlich banal, aber die Lösung sind die Texte ….. und wie man mit ihnen umgeht.

Herzliche Grüße
Gerald Fründt

Zweimal mymuesli & Social Media - was will mir das

mymuesli, an einem Tag zweimal stolpere ich über mymuesli.
Einmal bei Impulse - Das Unternehmer-Magazin. Durchaus wohlwollend wird der Switch in der Kommunikation bei “Mymuesli-Angestellten” auf Facebook besprochen, Facebook, ein Social Medium - das zweifelsohne nicht mit einem Medium verwechselt werden darf, welches Kontakt zum Jenseits herstellt. Oder doch?

Und dann taucht mymuesli in einem Blog-Beitrag auf, der einen Tweet, ein anderes Social Medium, eines (vermutlich) Angestellten von mymuesli zitiert.
Auch hier, Wohlwollen! Zitat:
“Ganz wichtig ist der Punkt: “Wir bemühen uns sehr”. Denn darum geht es, den Trend zu erkennen und jeden Tag von Neuem versuchen, das Beste zu geben.”

Hier der Tweet:
“@mymuesli mymuesli - Wir bemühen uns sehr, aber man lernt nie aus, gerade beim Support im Web. Aber sonst wäre es ja auch langweilig.”

Die (grammatische) Analyse:

1. “Wir” = Personal-Pronomen, steht für eine Person. In diesem Fall für viele Personen, das macht sich gut. Das macht sich besser, ist aber längst nicht so gut wie ein schlankes, freundliches “ich”. Wer ist in diesem Tweet “wir” - “mymuesli”. Das ist lustig! Denn “my” - auch im Englischen gibt es das! - ist ebenfalls ein Pronomen, ein ehemals so genanntes Besitz anzeigendes Fürwort, allerdings konnte sich das Kurzwort “baf” nicht durchsetzen, Twitter fehlte! So ist es (nur) ein Possessiv-Pronomen, und gibt bekannt, dass eine (!) Person Müsli besitzt.
“Wir” an erster Stelle und in diesem Kontext ist ein semantisches Problem! Und jetzt kommt es noch dicker: weil es sich um einen Tweet handelt, fehlt aus Platzgründen eine Unterschrift, die diese Doppelgesichtigkeit auflösen könnte.
Jede und jeder, der von Grammatik etwas versteht, ahnt, hier kommt eine Mitteilung im Plapper-Modus.

2. “Wir bemühen” = Sich be+mühen um etwas, ein Verb, genauer, ein Zustands-Verb, welches in diesem Kontext lieber ein dynamisches Verb wäre. Wieso “dynamisch” - bitte ein wenig Geduld.
Das Verb ist in der Sprachgeschichte nicht ohne Folgen gewesen - niemand ist verantwortlich zu machen - und hat Haupt-Worte hervorgebracht, ohne diese aufzugeben: “die Mühe” (um 1000), steht für Anstrengung, Last, Aufwand. Oder als kleine Erweiterung “die Mühsal” (11. Jh.), steht für Plage, Anstrengung. Schließlich “die Mühseligkeit” (16. Jh.). Gleiche Bedeutung, aber nun kommt etwas von Leidensfähigkeit auf, die Se(e)ligkeit.
Mein Blick fällt auf eine mittelhochdeutsche Variante: müesalic - warum lese ich da müesli?
Was für den einen Mühe, ist für den anderen Alltag oder Arbeit. Alltägliche Arbeit, die zu einer selbstverständlichen Einstellung geworden ist und nicht mehr der Rede und des Schreibens wert ist. “Die Bemühungen” (Substantivierung zu bemühen) werden aber genau hier in Twitter zu einem Wert. Zumindest wird das so geschrieben!

3. “Wir bemühen uns” = Dieses Verb “be+mühen” kann zu der Gruppe der reflexiv gebrauchten Verben gezählt werden. Reflexiv bedeutet, man muss noch jemand nennen, die oder der sich (!) da müht. Erst kam das Possessiv-Pronomen (my), dann folgte das Personal-Pronomen (Wir), nun folgt das Reflexiv-Pronomen “uns”. Mehrzahl, klarer Fall. Geht ja auch nicht anders. Der Trick ist bei dem reflexiven Gebrauch, dass die Personen zweimal auf die Bühne treten dürfen. Die irritierende Diskrepanz zwischen der Einzahl (my) und der Mehrzahl, nun, so funktioniert halt Social Media! Kein Problem.

4. “Wir bemühen uns sehr” = Sehr gern hätte man, wenn dieses kleine Wörtchen “sehr” zu der Theatergruppe gehören würde. Deswegen bringt man es unmittelbar nach dem “uns”, nach dem ausgewählten Verb. Grammatisch jedoch gehört es zu eben diesem Verb und gibt ihm eine größere Intensität, die gefühlt so mächtig werden kann, als gäbe es da eine Dynamik! Versuchen kann man es ja mal….

Zwischen-Fazit: Mit vier (4) Worten und 17 (siebzehn) Zeichen ( = 16% des Tweets) wird ein Blabla-Zustand skizziert. Bei Johann Wolfgang von hatte das Bemühen wenigstens eine Qualität - “Wer immer strebend (!) sich bemüht….”, hier steht nur die nackte Plage! Zwei starke Persönlichkeiten in der Mehrzahl! Im Hintergrund ein einsames einzelnes “my”!

Die Mitteilung geht weiter mit einem Komma, einer kurzen Pause, einem winzigen Schritt zu der nachfolgenden Katastrophe: Denn der winzige Schritt führt frontal zu der adversativen, also entgegensetzenden Konjunktion “aber”.
Zu was “aber” - zu dem Bemühen (weitere Substantiv-Variante). Zu wem “aber” - zu der Herrschaftlichkeit der Mehrzahl oder diesem kleinen “my”. Meine Zeit ist um …..

…. und ich lese das nicht mehr Korrektur …. so sei es!

P.S.
Jedes Wort ist in jedem Zusammenhang irgendwie immer anders, dieses meinte Wittgenstein mit der Bemerkung, die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch.

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